Vollkommen
geschockt nehme ich die Katze wahr, die circa einen Meter entfernt von meinem
Hasen kurz davor ist, ihn anzugreifen. „Kusch! HAU AB!“ Schreie ich.
Tatsächlich hört sie sofort. Langsam gehe ich an Klopfer heran und hab ihn
schnell in meinem Arm. „Hey,“ flüsterte ich: „hat sie dir was getan? Lass mal
sehen.“ Mit einem leisen, aber sehr entsetzten Schrei bemerke ich, dass der Fuß
meines Haustiers gebrochen ist. Schon im nächsten Moment stehe ich bei Mama im
Wohnzimmer. „MAMA! Klopfers Beinchen ist gebrochen.“ Mit aller Ruhe schaut sich
meine Mutter das kleine Tierchen an und schaut mir in die Augen. In ihrem Blick
erkenne ich sofort Verzweiflung und Ratlosigkeit. „Bitte, bitte sag nicht,
dass man ihn einschläfern lassen muss!“ – „Ich weiß es nicht, mein Schatz.“ Sie
greift nach dem Telefonbuch und murmelt den Namen unseres Tierarztes vor sich
hin. Zwei Stufen mit einmal nehmend, gelange ich schnell in mein Zimmer, setze
Klopfer auf mein Bett, nehme einen Bilderrahmen, in dem ein ganz besonderes
Bild zu sehen ist, setze mich auf den kühlen Fußboden und fange laut an zu
weinen. Die verdrängte Erinnerung an den 1. Dezember 2009 kommt wieder hoch.
Diese schreckliche Erinnerung und die damit aufsteigenden schlechten Gefühle
sind wieder da.
In dem
Bilderrahmen steckt ein Bild meiner an diesem Tag verstorbenen Hündin. Sie war
ein Jahr älter als ich als sie eingeschläfert worden war. Sie war immer da.
Mein ganzes Leben lang.
Ich weiß es
noch ganz genau. Mama und ich waren auf dem Weihnachtsmarkt vom Altersheim. Ich
wollte schnell nach Hause, um mit Ketti zu spielen, weil ich sie 3 Tage nicht
mehr gesehen hatte. Zu Hause angekommen, rannte ich zu ihrem Körbchen, doch
das stand nicht mehr da. Keine ihrer Sachen stand da. Schon spürte ich die
Tränen. Auf dem Weg zu meinem Mama liefen sie meine Wangen herunter. „WO IST
KETTI?“ Frage ich sie, etwas lauter als beabsichtigt. Völlig verständnislos
antwortete sie: „In ihrem Körbchen, denke ich?“ – „NEIN! NEIN, DA IST SIE NICHT!“.
Nun glitzerten auch in Mamas Augen die Tränen. „Oma. Oma hat vorhin gesagt,
dass sie uns das Leid nicht antun wollte. Ich wusste auch erst nicht, was das
sollte. Aber damit meinte sie wohl, dass sie nicht wollte, dass wir uns das
Sterben unseres Hundes nicht mit antun müssen.“ Von da an habe ich den ganzen
restlichen Tag und die ganze restliche Nacht nur noch geweint.
Die
Erinnerung daran zerstört mich. Ich nehme Klopfer in den Arm, drücke ihn leicht
und flüstere: „Bitte nicht du auch noch. Bitte nicht.“
Ich höre,
wie die Tür sich öffnet. „Er sagt, er schaut was er machen kann. Der Tierarzt.
Heute soll er erstmal noch hier bleiben. Wenn wir jetzt hinfahren würden … das
würde sein Kreislauf nicht mitmachen. Hey, alles wird gut. Versprochen.“
Ich
versuche mich an einem Lächeln, vergeblich. Ich weine weiter. Weiter und weiter
und weiter.
Ketti? Ich vermisse dich!
Ketti? Ich vermisse dich!
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