Blink 182 - I Miss You

Dienstag, Juli 31


Vollkommen geschockt nehme ich die Katze wahr, die circa einen Meter entfernt von meinem Hasen kurz davor ist, ihn anzugreifen. „Kusch! HAU AB!“ Schreie ich. Tatsächlich hört sie sofort. Langsam gehe ich an Klopfer heran und hab ihn schnell in meinem Arm. „Hey,“ flüsterte ich: „hat sie dir was getan? Lass mal sehen.“ Mit einem leisen, aber sehr entsetzten Schrei bemerke ich, dass der Fuß meines Haustiers gebrochen ist. Schon im nächsten Moment stehe ich bei Mama im Wohnzimmer. „MAMA! Klopfers Beinchen ist gebrochen.“ Mit aller Ruhe schaut sich meine Mutter das kleine Tierchen an und schaut mir in die Augen. In ihrem Blick erkenne ich sofort Verzweiflung und Ratlosigkeit. „Bitte, bitte sag nicht, dass man ihn einschläfern lassen muss!“ – „Ich weiß es nicht, mein Schatz.“ Sie greift nach dem Telefonbuch und murmelt den Namen unseres Tierarztes vor sich hin. Zwei Stufen mit einmal nehmend, gelange ich schnell in mein Zimmer, setze Klopfer auf mein Bett, nehme einen Bilderrahmen, in dem ein ganz besonderes Bild zu sehen ist, setze mich auf den kühlen Fußboden und fange laut an zu weinen. Die verdrängte Erinnerung an den 1. Dezember 2009 kommt wieder hoch. Diese schreckliche Erinnerung und die damit aufsteigenden schlechten Gefühle sind wieder da.
In dem Bilderrahmen steckt ein Bild meiner an diesem Tag verstorbenen Hündin. Sie war ein Jahr älter als ich als sie eingeschläfert worden war. Sie war immer da. Mein ganzes Leben lang.
Ich weiß es noch ganz genau. Mama und ich waren auf dem Weihnachtsmarkt vom Altersheim. Ich wollte schnell nach Hause, um mit Ketti zu spielen, weil ich sie 3 Tage nicht mehr gesehen hatte. Zu Hause angekommen, rannte ich zu ihrem Körbchen, doch das stand nicht mehr da. Keine ihrer Sachen stand da. Schon spürte ich die Tränen. Auf dem Weg zu meinem Mama liefen sie meine Wangen herunter. „WO IST KETTI?“ Frage ich sie, etwas lauter als beabsichtigt. Völlig verständnislos antwortete sie: „In ihrem Körbchen, denke ich?“ – „NEIN! NEIN, DA IST SIE NICHT!“. Nun glitzerten auch in Mamas Augen die Tränen. „Oma. Oma hat vorhin gesagt, dass sie uns das Leid nicht antun wollte. Ich wusste auch erst nicht, was das sollte. Aber damit meinte sie wohl, dass sie nicht wollte, dass wir uns das Sterben unseres Hundes nicht mit antun müssen.“ Von da an habe ich den ganzen restlichen Tag und die ganze restliche Nacht nur noch geweint.
Die Erinnerung daran zerstört mich. Ich nehme Klopfer in den Arm, drücke ihn leicht und flüstere: „Bitte nicht du auch noch. Bitte nicht.“
Ich höre, wie die Tür sich öffnet. „Er sagt, er schaut was er machen kann. Der Tierarzt. Heute soll er erstmal noch hier bleiben. Wenn wir jetzt hinfahren würden … das würde sein Kreislauf nicht mitmachen. Hey, alles wird gut. Versprochen.“
Ich versuche mich an einem Lächeln, vergeblich. Ich weine weiter. Weiter und weiter und weiter.
Ketti? Ich vermisse dich!


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