"Lola. Spielst du mir was auf dem Klavier vor?" Helen schaut mich mit ihren großen, blauen Augen an. Wieder einmal geht mir durch den Kopf, dass ich die einzige von uns dreien bin, die nach Papa kommt. Ich bin die einzige mit braunen Augen und braunen Haaren.
"Och Helen, muss das jetzt sein? Ich kümmer mich um Klopfer. Er hat doch Freitag die OP und der Tierarzt sagt, ich soll mich gut um ihn kümmern." - "Oooh, bitte!" - "Helen, ich ... - na gut."
Ich setze mich ans Klavier und fange an, "Someone like you" zu spielen. Helen erzählt mir, wie toll sie den Sonnenuntergang findet und wie leid es ihr tut, dass sie gestern die Stalltür offen gelassen hat. Sie wollte nicht, dass Klopfer ein gebrochenes Bein hat. Es tut ihr leid, sagt sie. Ich schaue ihr tief in die Augen und sehe, wie sie glitzern. Es tut ihr wirklich leid.
"Hm ..." Mache ich.
"Du, Lola? Wann kommt Joe mal wieder her? Ich hab ihn doch soo lange nicht mehr gesehen. Ich möchte mal wieder mit ihm Verstecken spielen! Wann ist er mal wieder hier? Wann? Wann ist Joe wieder hier?" Fragt Helen.
"Ach Helen, ... Zur Zeit haben wir so unsere Schwierigkeiten. Ich muss ihm noch einiges erklären und beichten. Außerdem ist er eh gerade im Urlaub."
"Ach manno. Ich vermisse ihn. Vermisst du ihn?" Ja. "Wieso sollte ich ihn denn vermissen? Nein, ich vermisse ihn nicht."
Was lüge ich Helen und mich selber eigentlich an? Ich vermisse ihn. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde.
Immer.
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